Thomas Spieckermann stammt aus dem Ruhrgebiet in Deutschland und leitet derzeit das TAK Theater in Liechtenstein. Er studierte Theaterwissenschaft, Romanistik und Geschichte an drei Universitäten in drei Ländern und promovierte später noch. Durch eine Hospitanz packte ihn das Theater und hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Er war an sieben Staats- und Stadttheatern als Dramaturg und Chefdramaturg engagiert. Im Zentrum standen für ihn dabei immer die Künstler*innen und die Texte: Was kann man wie am besten erzählen? Wichtig waren für ihn auch immer Projekte mit internationaler Zusammenarbeit. Verlässt man das Selbstverständnis der eigenen Kultur, wird es umso spannender. Heute leitet er ein Theater. Das bedeutet, gemeinsam mit seinem Team das künstlerische Programm des Theaters zusammenzustellen und kontinuierlich nach neuen Wegen, Inhalten und Formen zu suchen. Es bedeutet aber auch, das Haus personell und finanziell zu leiten, seine Zukunft zu sichern, es im Land zu verankern. Eine spannende und jeden Tag herausfordernde Tätigkeit. Thomas Spieckermann liebt das Reisen durch ferne Länder und Kulturen, die Natur und das Antlitz der Erde im Allgemeinen, das Fotografieren, Bergsteigen und Klettern, Bücher und Filme, Jazzmusik, einige Naturwissenschaften faszinieren ihn – besonders Astrophysik, Elementarteilchenphysik und Geowissenschaften.

Wo und wie sind Sie aufgewachsen?

In den 70er Jahren im Ruhrgebiet. Das war eine unruhige Zeit. Die RAF trieb ihr Unwesen bis zum Deutschen Herbst 1977. Ich erinnere mich noch gut an die Bilder im Fernsehen von den Attentaten, der Entführung der Lufthansa-Maschine «Landshut» und an Hanns Martin Schleyer, der Papptafeln mit der Anzahl der Tage seiner Entführung in die Kamera halten musste. Das waren natürlich ferne Ereignisse aus dem Fernsehen, aber das gesellschaftliche Klima und öffentliche Demonstrationen waren in meiner Erinnerung im Alltag ständig präsent – gegen das Bildungssystem, gegen «Verkrustungen» aller Art. Gleichzeitig fand im Ruhrgebiet der Strukturwandel statt, weg vom Bergbau hin zu… – und das ist bis heute nicht klar. Die Industrie hat das Ruhrgebiet geprägt und bestimmt, die Unternehmensschliessungen zerreissen die Region bis heute.

Aber ich als Kind bin aufgewachsen inmitten einer Stadt in einem riesigen Ballungsraum in einem fast idyllischen Mehrfamilienhaus mit Garten, hinter dem ein Bach verläuft. Das ganze Viertel sah so aus. Eine Folge von Gärten nebeneinander, an denen ein Weg entlang verläuft, hinter dem sich ein Bach schlängelt. Der war früher durch Abwasser belastet und das Betreten war verboten. Heute ist er renaturiert und führt klares Wasser. In meiner Erinnerung gab es nur warme Sommertage und alle Kinder dieser Gärten trafen sich täglich draussen, um zusammen zu spielen. Fernsehen spielte kaum eine Rolle, Handys gab es nicht. Wir spielten Fussball und fuhren Fahrrad. Und weil das nach ein paar Tagen alles langweilig wurde, begannen dann die grösseren Abenteuer. Da musste mich dann schon mal der Notarzt abholen, wenn ich in irgendwelchen Bau- oder Industriebrachen in einen Nagel trat. Daran erinnere ich mich lebhaft – eine Fülle von Tetanusspritzen, weil im Fall des Falles der Arzt nicht wusste, ob ich schon geimpft war oder nicht.

Könnten Sie Ihren Werdegang schildern?

Zunächst das Abitur. Danach sollte ich eine Banklehre machen. Wollte ich aber partout nicht. Ich wollte studieren. Ich dachte, ich müsse etwas Handfestes machen, etwas mit guten Jobaussichten, also schrieb ich mich für Physik ein. Das funktionierte natürlich gar nicht. Dann wurde ein neuer Studiengang eröffnet: Theaterwissenschaft, und ich dachte, jetzt mache ich etwas, an dem auch mein Herz dranhängt. Einige Verwandte prognostizierten mir Arbeitslosigkeit, aber meine Eltern unterstützten mich. Und los ging es: drei Semester in Bochum, zwei Semester in Wien, dann Spanien, dann London. Es wurde immer besser. In Wien war ich jeden Tag im Theater, manchmal zwei Mal. Claus Peymann inszenierte «Heldenplatz» von Thomas Bernhardt. Ein Megaskandal. Bei einer Publikumsdiskussion nach einer Aufführung, die Peymann leitete, sass ich neben einem Mann, der plötzlich aufstand, um eine Frage zu beantworten. Es war Thomas Bernhardt selbst. London war für mich auch grossartig. Eine tief gespaltene Stadt, bitterste Armut als Folge des Thatcherismus. Von Waterloo Station zur Waterloo Bridge musste man unterhalb von Strassenbrücken gehen, unter denen Obdachlose aus Pappkartons ganze Städte gebaut und sich dort dauerhaft eingerichtet hatten. In leeren Ölfässern brannten Feuer zum Wärmen, an fast jeder Ecke in Central London schallte einem «Do you have some change?» entgegen. Man wurde auch oft angegangen und angepöbelt. Was war eine raue Stadt damals. Ganz anders als heute. Gleichzeitig gab es eine unfassbar lebendige Kulturszene dort. Theater in Hinterhöfen, Modern Dance in Angel oder Camden Town.

Dann kam ich aus privaten Gründen nach Würzburg und heuerte am Theater an. Das hat mich gepackt. Der damalige Intendant war ein Humanist, wie er im Buche steht. Als Schauspieler hat er selber noch mit Kurt Hübner und Gustav Gründgens gearbeitet. Als Regisseur war er gut, wenn auch nicht aussergewöhnlich, aber er konnte einem auf einer Leseprobe zu einer Inszenierung eine Welt aufblättern. Es war wie ein geheimes Universum, zu dem man Zutritt erhielt – Shakespeare, Tschechow, Goldoni.

Dabei bin ich geblieben.

Gab es bestimmte Ereignisse oder Stationen, die für Ihren Werdegang prägend waren?

Ich hatte in der Oberstufe des Gymnasiums einen Schulfreund, der sehr kunstinteressiert war. In den letzten beiden Jahrgangsstufen hatte er ein Auto, mit dem wir fast täglich ins Theater fuhren. Im Ruhrgebiet gehen die Städte ja direkt ineinander über und jede Stadt besass ein eigenes Theater. Wir waren also heute in Bochum, morgen in Dortmund, dann in Düsseldorf, dann in Mülheim, wo mit dem Theater an der Ruhr eine besonders interessante Bühne existierte. Das war sicher prägend.

1989 war ich mit einem anderen Schulfreund zum ersten Mal im aussereuropäischen Ausland. Wir hatten einen Flug nach Peking gebucht, eine Kommilitonin, die dort Sinologie studierte, wollte uns das Land zeigen. Wir flogen hin. Es war Spätsommer 1989. Das Massaker von Tiananmen war gerade ein paar Wochen her. Als wir ankamen, erfuhren wir, dass die Kommilitonin nach Europa zurückgereist war. Wir waren auf uns gestellt. Nichts klappte. Wir konnten uns nicht verständigen, niemand sprach Englisch. Wir hatten zu wenig Geld dabei und wurden bald bei der Deutschen Botschaft vorstellig. In den Supermärkten gab es nur Kiwi-Marmelade zu kaufen. Das Fahrrad, das wir ausgeliehen haben, wurde gestohlen. Nachts verhaftete die Polizei Beteiligten der Aufstände. Am Tiananmen sah man die Einschusslöcher vom Juni 1989. Öffentliche Plätze waren gesperrt, die Bevölkerung traumatisiert. Wir waren die einzigen Touristen weit und breit. In der Verbotenen Stadt waren wir alleine. Auf dem Flughafen von Peking hörten wir, dass Österreich die Grenzen zu Ungarn geöffnet hatte.

Auch das war für mich prägend – die Neugierde zu erfahren und zu erleben, wie das Leben der Menschen in anderen Ländern und Gegenden der Welt aussieht.

 

Hat Sie Ihr Umfeld in Ihrem Werdegang unterstützt?

Meine Eltern und meine Partnerin haben mich immer unterstützt. Auch einige enge Freunde. Das ist aber ein überschaubarer Personenkreis.

Erfüllt Sie das, was Sie derzeit machen?

Grundsätzlich ja. Aber natürlich ist das nicht jeden Tag gleich. Viele Dinge sind unangenehm oder lästig. Vieles wiederholt sich immer wieder. Anderes misslingt, Projekte scheitern, gute Vorhaben führen zu gegenteiligen Effekten. Vielleicht kann man sagen, es ist ein dynamisches Umfeld im steten Wandel. Aber das macht es auch oftmals unabsehbar und interessant. Ich kann nie mit den gleichen Antworten auf neue Fragen reagieren. Ich muss die Situationen immer neu beurteilen und bewerten. Das finde ich gut und spannend. Und dann ist da ja auch noch die Kunst. Manchmal arbeite ich den gesamten Tag am Rechner, gehe abends hinüber in die Vorstellung, sehe eine Schauspielerin oder einen Musiker und bin ergriffen. Ein besonderer Moment der Wahrheit oder der Schönheit auf der Bühne kann mich vollständig packen. Das ist erfüllend. Ebenso gibt es Momente in der gemeinsamen Arbeit bei Proben oder Konzeptionen, in denen ein neuer Gedanke, der gerade im Gespräch oder im Kopf geboren wurde, eine neue Welt eröffnet. Auch das ist für mich erfüllend.

Es bleiben aber einzelne Momente im Fluss der Zeit.

 

Denken Sie, dass Sie selbst darauf einen Einfluss haben, ob Ihre Tätigkeiten erfüllend sind? Falls ja, welche Strategien haben Sie, um dies zu gewährleisten?

Das Erfüllende ist flüchtig, ich kann aber einen Einfluss darauf haben, dass ich meine Tätigkeiten als sinnvoll empfinde. Das ist eine wichtige Voraussetzung. Ich kann versuchen, einen Beruf zu finden, der meinen Neigungen und Talenten entspricht, und ich kann versuchen, diesen auszufüllen. Das Empfinden, sinnvoll oder gar erfüllend tätig zu sein, ist kein Dauerzustand, er hängt von der Emotionalität des Augenblicks ab. Diese lässt sich meiner Auffassung nach kaum bewusst herstellen, aber man kann Dinge aus dem Weg räumen, die dieses Empfinden verunmöglichen – Stress, Hektik, fehlende Konzentration, permanente Ablenkungen. Auch das Gefühl, vor einem schwer zu überwindenden Hindernis zu stehen, Anspannung, die Angst zu scheitern. Hat man das Hindernis dann aber überwunden, so steigen die Chancen auf «magische Momente». Um Hölderlin zu zitieren: «Und wenn die Prüfung // Ist durch die Knie gegangen, // mag einer spüren das Waldgeschrei.»

Was oder wer inspiriert Sie im Alltag? Haben Sie Strategien, um die Chancen zu erhöhen, dass es inspirierende Momente gibt?

Kürzlich lief ich in einer Stadt durch die Strassen und sah auf Augenhöhe im Fenster eines grauen Hauses in einer Durchgangsstrasse vor einem alten gehäkelten weissen Vorhang, hinter dem ein dunkles Zimmer war, in dem man nichts erkennen konnte, einen Zettel, den jemand mit einem Drucker ausgedruckt und an das Fenster geklebt hatte. Darauf stand: «Vermehrt Schönes!» Schönheit an sich ist ein Wert. Überraschungen, Impulse andere. Ich lese gerne, höre Musik und sehe sehr viel Theater. Ich lerne gerne, beschäftige mich mit Wissenschaft und Geschichte. Ich freue mich, wenn ich neue Erkenntnisse gewinne. Gespräche mit meiner Partnerin, mit Freunden, mit Künstlerinnen und Künstlern, Kolleginnen und Kollegen sind für mich sehr wichtig.

 

Es gibt Momente, in denen alles zu passen scheint. Momente, die einen erfüllen, inspirieren und die einem Kraft und Zuversicht gehen. Momente, die einen darin bestätigen, dass sich der Einsatz lohnt und dass das, was man macht, sinnhaft und wertvoll ist. Haben Sie solche «magischen Momente» in Bezug auf Ihre eigenen Tätigkeiten schon erlebt?

Diese besonderen Momente stellen sich ja oft auch in anderen Zusammenhängen ein als bei eigenen beruflichen Tätigkeiten. Vor einigen Monaten war ich in Kairo und hatte die Möglichkeit, die Cheops-Pyramide zu besuchen. Das war ein Kindheitstraum von mir. Es war um die Weihnachtszeit und Gizeh war voller Touristen. Die Eintrittskarten für die Pyramide sind begrenzt, ich war früh dort, um ein Ticket zu ergattern. Dann ging ich in die Pyramide hinein, vor mir eine Gruppe US-Amerikaner, hinter mir eine Gruppe Ostasiaten. Der Aufgang in der Pyramide vor der Grossen Galerie ist sehr eng und sehr stickig. Die entgegen kommenden Menschen drängten sich an den aufsteigenden vorbei. Es war heiss, die Luft war schwül und es war unglaublich laut durch die Gespräche der Dutzenden von Menschen. Der Weg endete in der Grabkammer des Königs. Feinster, polierter Granit ohne jede Verzierung in einem rechteckigen hohen Raum, in dem die Unterseite des viereinhalbtausend Jahre alten Sarkophags stand. Auch hier viel zu viele Worte in unendlich vielen Sprachen viel zu laut gesprochen. Dann, auf einmal, waren alle Besucher fort und niemand kam mehr nach. Der Aufseher sah meine Partnerin und mich an und zog sich ebenfalls zurück, so dass wir 10-15 Minuten völlig allein in diesem Raum waren. Kein Geräusch, nichts und niemand. Das war magisch.

Aber auch die Natur kann unendlich magisch sein. Als ich vor vielen Jahrzehnten zum ersten Mal in Kenia vom oberen Rand des Rift Valleys über den Grabenbruch bis zum Horizont gesehen habe, war das gigantisch. Oder beim Bergsteigen… In diesen Fällen hat das viel mit Vorfreude, der Erwartung des konkreten Augenblicks und den Mühen, die die Realisierung gekostet haben, zu tun. In anderen Fällen stellen sich Momente ein ohne jede Vorankündigung. Ich gehe ins Theater, erwarte nichts Besonderes und plötzlich geht die Aufführung durchs Mark. Grossartig.

Gibt es Momente, in denen Sie an dem, was Sie machen, zweifeln?

Am Theater passiert nichts ohne den Zweifel. Er sitzt in allem. In jeder Schauspielerin, in jeder Regisseurin, in jedem Autor, in jedem Dramaturg. Jeder künstlerische Vorgang ist immer von Zweifel durchzogen. Bis zur Premiere. Genauso ist es mit der Leitung eines Theaters. Werden der Spielplan und seine Projekte gelingen? Im künstlerischen Prozess muss man dem Zweifel nachgehen, darf ihm das Feld aber nicht überlassen. Letztlich sind es immer Ängste, denen man sich stellen muss.

 

Können Sie schwierigen Momenten rückblickend etwas Positives abgewinnen?

Es ist ein Mechanismus, ein extrem kluger Trick unseres Gehirns, dass uns Ereignisse retrospektiv stets so erscheinen, als liesse sich in ihnen etwas Positives, also ein Sinn ausmachen. Jemand fährt mit dem Fahrrad, wird von einem Auto angefahren, das Bein bricht, es wird gegipst und er oder sie muss Wochen lang zuhause bleiben. Dieser Mensch fängt aus unendlicher Langeweile heraus an zu zeichnen und entdeckt ein Talent und eine grosse Freude daran, die ihm bislang nicht bewusst war. Dieser Mensch wird möglicherweise denken, durch den Unfall erst habe er das Zeichnen entdeckt. Ereignisse werden durch unser Gehirn also konsekutiv miteinander verbunden. Dabei liegt in dem eigentlichen Fahrradunfall überhaupt kein Sinn verborgen. Dieser Trick versetzt uns Menschen in die Lage, ins Reine zu kommen mit den Geschehnissen des eigenen Lebens, statt ständig mit dem Schicksal und der Vergangenheit zu hadern. Der Glaube an ein festgeschriebenes Schicksal oder an göttliche Vorsehung hat einen ähnlichen Effekt, er versöhnt uns mit den Widrigkeiten des Lebens und stiftet einen Sinn in unserer Existenz, da sie einem höheren metaphysischen Plan zu folgen scheint.

Ein zweiter sehr sinnvoller Effekt der Evolution des Gehirns ist das Vergessen bzw. Verdrängen von Erlebtem. Der grosse argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges hat eine Geschichte über jemanden geschrieben, der nichts in seinem Leben vergessen kann. Diese Figur hat alles präsent, jeden Moment, jeden Sinneseindruck, er kann sein gesamtes Leben Revue passieren lassen – das gerät natürlich zu einem Alptraum, denn die meisten negativen Erlebnisse vergessen oder verdrängen wir, so dass wir uns nicht täglich aufs Neue damit herumschlagen müssen. Eine wichtige Überlebensstrategie für uns Menschen.

 

Gibt es etwas, was Sie rückblickend anders machen würden?

Wenig im Grossen, vieles im Kleinen.

Möchten Sie mit ihren Tätigkeiten etwas zur Gesellschaft beitragen?

Als Theaterleiter bin ich zutiefst davon überzeugt, dass das Theater oder allgemein die Kunst viel zur Gesellschaft beiträgt. Eine häufig gestellte Frage lautet: Kann Theater die Welt verändern? Sagt man dazu ja, wird man in unserer Zeit oftmals in die Nähe von realitätsfernen Utopisten gerückt. Oft hört man daher ein «Nein» auf diese Frage, ein «Wir wollen den Zuschauern etwas Schönes bieten» oder «Wir wollen den Zuschauern Impulse geben, aber die Welt verändern, das ist nicht (mehr) möglich.» Für mich steckt darin überhaupt kein Widerspruch. Die Welt ändert sich ja in den Köpfen jedes einzelnen. Jeder Impuls, jedes Empfinden verändert Menschen. Und Menschen verändern die Welt. Also ja, ich möchte mit dem Theater Impulse geben, etwas Schönes zeigen und zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen.

Wie gut können Sie von dem, was Sie beruflich tun, leben? Hat diese finanzielle Situation einen Einfluss auf ihren Alltag bzw. Ihre Tätigkeiten?

Ich bin fest angestellt und kann von meinem Beruf leben.

 

Gibt es etwas, das Sie derzeit besonders beschäftigt?

Vieles, wenn hier Themen gemeint sind. Der aufkommende Egoismus in der Welt. Die sich immer mehr öffnende Schere zwischen Arm und Reich innerhalb von Regionen, Staaten und der ganzen Welt. Der Reichtum von einzelnen, der grösser ist als die Volkswirtschaften ganzer Staaten. Geoengineering, also der Versuch, die Veränderungen, die der Mensch in den letzten Jahrhunderten dem Planeten Erde zugefügt hat, zurückzunehmen. Die fatale Trias aus Überbevölkerung, agrarischer Kultivierung der gesamten Welt und zunehmender Technisierung, die zu Klimawandel, Massensterben der Arten und grossflächigen Eingriffen in die Lithosphäre des Planten geführt hat. Auch die Möglichkeiten der Manipulation von Menschen und Meinungen im grossen Stil als eine Folge der Digitalisierung.

 

Gibt es etwas, womit Sie sich in Zukunft gerne (verstärkt) beschäftigen würden?

Mit der Evolution – woher kommt diese Kraft des Lebens in jedem Organismus der Welt? Mit Naturwissenschaften und eben mit den Fragen der Zukunft: Wie verändert sich unsere Welt in der Zukunft? Wie wird der Mensch in Zukunft leben? Welche ethischen Probleme werden ihn beschäftigen?

 

Wofür sind Sie im Leben besonders dankbar?

Für die Menschen in meinem familiären und meinem Freundeskreis und für den Weg, den ich bislang im Leben gehen konnte.

Dieses Interview ist Teil des Projekts «Magic Moments» des Kunstvereins Schichtwechsel, in dessen Rahmen Menschen zu ihrem Werdegang, ihren Tätigkeiten sowie magischen und schwierigen Momenten befragt werden.

Interview: Laura Hilti
Illustrationen: Stefani Andersen

Gefördert durch die Kulturstiftung Liechtenstein.

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