Katja Langenbahn-Schremser wuchs in Vaduz auf und machte eine Schauspiel-Ausbildung bei Fritz Hammel in Wien. Derzeit ist sie auch als Autorin tätig: Nach dem Stück «Die Vernissage in Anderland» wird in Kürze ein Lyrikbildband erscheinen. Weiter plant sie ein Kabarett mit ihrem Bruder Jürgen Schremser. Katja Langenbahn lebt in Planken, Liechtenstein, und ist 54 Jahre alt.

Wo und wie sind Sie aufgewachsen?

Aufgewachsen bin ich in Vaduz im Bangarten 13.

 

Könnten Sie Ihren Werdegang schildern?

Unsere Strasse war bevölkert von Einfamilienhäusern. Als Kind verbrachte ich die meiste Zeit im Freien, spielte, sass in den Bäumen von Nana und Neni und ass deren Früchte. Die Zeit schien aufgehoben, ich dachte oft, es währte ewig. Alles weitere würde den Rahmen hier sprengen.

Aus meinen Kindheitstagen: Katja mit Katze, 1972

Gab es bestimmte Ereignisse oder Stationen, die für Ihren Werdegang prägend waren?

Jedes Ereignis und jede Station war und ist prägend, denn so wurde ich die, die ich nun bin.

 

Gab es bestimmte Personen, die für Ihren Werdegang prägend waren?

Prägend für mich waren Mami, Papi, Nana, mein Bruder Jürgen, mein Mann Sigi und meine Söhne Zeno und Louis, von denen ich immer noch lerne und spüre, was es heisst, bedingungslos zu lieben.

 

Hat Sie Ihr Umfeld in Ihrem Werdegang unterstützt?

Massgeblich meine Eltern, die auch jeden einzelnen Artikel über mich in der Zeitung ausgeschnitten und in Ordnern archiviert haben.

 

Welchen Tätigkeiten gehen Sie derzeit nach?

Da im Moment die Theater geschlossen sind, widme ich mich vermehrt dem Schreiben.

 

Erfüllt Sie das, was Sie derzeit machen?

Das Schreiben ist für mich eine weitere Form mich zu zeigen, mein Innerstes preis zu geben, mich selber zu reflektieren in dem, was ich tue und wer ich überhaupt bin.

 

Denken Sie, dass Sie einen Einfluss darauf haben, ob Ihre Tätigkeiten erfüllend sind?

Ich habe mich in meinem Leben immer treiben lassen, hatte und habe nie DEN Plan verfolgt, daran geglaubt, dass das, was kommt, mir stets, auch wenn in den jeweiligen Momenten manchmal unersichtlich oder unfühlbar, mir doch zum Wohle gereicht, wenn ich das grosse Ganze erkenne. Bis jetzt geht es auf.

 

Was oder wer inspiriert Sie im Alltag?

Alles und Nichts und vor allem meine Freundin Jacqueline Beck. Mit ihr tanze ich immer wieder auf dem Regenbogen. Sie inspiriert mich. Durch sie sprudle ich manchmal über vor Ideen und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

 

Was oder wer gibt Ihnen im Alltag Kraft und Energie?

Meine Kraft für den Alltag schöpfe ich aus mir und aus der Liebe, die mir widerfährt. Ich glaube und spüre, dass die Liebe für mich die Quelle ist und sie kann grenzenlos sein.

 

Es gibt «magische Momente», in denen alles zu passen scheint. Momente, die erfüllen, inspirieren und Kraft geben. Momente, die bestätigen, dass sich der Einsatz lohnt und dass das, was man macht, sinnhaft und wertvoll ist. Haben Sie solche Momente in Bezug auf Ihre eigenen Tätigkeiten schon erlebt?

Meine magischen Momente entstehen immer unerwartet, unberechnend, überraschend, glückselig machend und frei von Zeitrechnung. Auf der Bühne, wenn du diesen «Flow» spürst, genauso in privaten Momenten mit mir oder zusammen mit anderen. Dieser Moment, wo du nur noch fühlst und eins bist mit allem. Ein flüchtiger Moment und doch so wunderbar.

 

Tun Sie aktiv etwas dafür, damit sich solche magischen Momente einstellen können?

Ich lebe und liebe intensiv.

Aus meiner Tätigkeit: «Das tapfere Schneiderlein» mit meinem Sohn Zeno

Gibt es Momente, in denen Sie an dem, was Sie machen, zweifeln?

Ich zweifle eigentlich immer an mir. Ist es wirklich gut und wenn gut, dann kann gut nie genügen. Was kommt nach der Perfektion und in welcher Weise strebe ich sie an?

Genüge ich mir, genüge ich den anderen in dem, was ich tue. Was ist mehr und was das Meiste. Das Zweifeln spornt mich an, macht mich ruhelos und treibt mich immer weiter.

 

Können Sie schwierigen Momenten rückblickend etwas Positives abgewinnen?

Jeder schwierige Moment, den ich erlebte, machte irgendwann Sinn und hat mich weitergebracht. Wenn  das grosse Ganze in der Situation oft unerkannt blieb, ging ich weiter und irgendwann kam das Puzzleteil, das dich erkennen liess und lässt.

 

Gibt es etwas, was Sie rückblickend anders machen würden?

Dann wäre ich ja eine andere und ich bin glücklich, die zu sein, die ich bin

 

Möchten Sie mit Ihren Tätigkeiten etwas zur Gesellschaft beitragen?

Emotional berühren, ganz tief und bleibend.

 

Ist Ihnen die Anerkennung von anderen Personen bzw. von der Öffentlichkeit wichtig?

Klar, denn wir alle wollen anerkannt und geliebt werden, oder?

 

Wie gut können Sie von dem, was Sie beruflich tun, leben? Hat diese finanzielle Situation einen Einfluss auf Ihren Alltag bzw. Ihre Tätigkeiten?

Hab’ ich Geld, gebe ich es aus, habe ich wenig, spare ich ein.

 

Gibt es etwas, das Sie derzeit besonders beschäftigt?

Meine Frage war und ist immer: Was bleibt am Ende des Tages, wer bin ich und was bleibt von mir?

 

Gibt es etwas, womit Sie sich in Zukunft gerne (verstärkt) beschäftigen würden?

Schreiben.

 

Wofür sind Sie im Leben besonders dankbar?

Meine Söhne Zeno und Louis, sie sind das Beste, was ich hervorgebracht habe. Für die Liebe und Freundschaft, die mir entgegengebracht wird.

Interview
Laura Hilti, Januar 2021


Credits

Portraitfoto: Katja Langenbahn-Schremser
Foto Kindheit: Kurt Schremser
Foto «Das tapfere Schneiderlein»: Jacqueline Beck

Dieses Interview ist Teil des Projekts «Magic Moments» des Kunstvereins Schichtwechsel, in dessen Rahmen Menschen zu ihrem Werdegang, ihren Tätigkeiten sowie magischen und schwierigen Momenten befragt werden.

Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung Liechtenstein und die Stiftung Fürstl. Kommerzienrat Guido Feger.

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